![]() |
|||||||||
„Rechenschwächen“ |
|
2) Woran „Rechenschwächen“ |
Autorin: Eva Lassnitzer |
Defizite im Bereich der Grundaufgaben |
|
|
Anhaltend zählendes Rechnen Häufige Folge: vermeintliche „Konzentrationsfehler“, die tatsächlich als Ermüdungsfehler aufgrund der ungenügenden Rechentechnik zu erklären sind. Anderen gelingt es, zwar deutlich verspätet und mit hohem Übungsaufwand, aber doch noch im Laufe der Volksschule, zumindest einen Großteil der Additionen (seltener auch der Subtraktionen) im Zahlenraum bis 10 oder sogar 20 auswendig zu lernen; zählendes Rechnen stellt dann vielleicht nur noch die Ausnahme dar. Dennoch ist zumeist zu beobachten: |
![]() |
Verweigern selbst „einfacher“ Kopfrechnungen Beim Kopfrechnen im zwei- oder gar mehrstelligen Bereich (700 – 50 und dergleichen Ungeheuerlichkeiten) sind rechenschwache Kinder dagegen zumeist heillos überfordert: Daher vermeiden sie es, wo immer möglich (schriftliche Nebenrechnungen, Taschenrechner). Werden sie zum Kopfrechnen angehalten, dann versuchen sie angestrengt, das schriftliche Verfahren zu imitieren: Sie rechnen „Stelle für Stelle nach Vorschrift“, statt mit der Zahl als Größe umzugehen – weil sie Zahlen eben nicht als Größe zu denken gelernt haben (s.u.). Aber diese Technik ist fürs Kopfrechnen nun einmal reichlich ungeeignet, führt daher zu Überforderungen beim Merken von Ausgangszahlen und/oder Zwischenresultaten – und in weiterer Folge zur beschriebenen Vermeidungshaltung. Anhaltende Schwierigkeiten mit dem Einmaleins Viele aber haben auch in der Sekundarstufe das kleine Einmaleins noch völlig unzureichend automatisiert und sind schon deshalb bei allen höheren Anwendungen (Division, schriftliches Multiplizieren und Dividieren, Bruchrechnen …) chancenlos. |
Defizite im Zahl- und Stellenverständnis |
|
Zahlen werden nicht als Größen / Zusammensetzungen gedacht Zahlen sind für sie in sich abgegrenzt, sie werden nicht als zusammensetzungen aus anderen Zahlen gedacht. Bei „acht“ denkt das Kind nicht spontan „fünf und drei“ (oder „vier und vier“ oder …), sondern vielleicht an die die Ziffer (8) und daran, dass „acht nach sieben“ kommt. Bei „dreiundvierzig“ wird nicht an „vier Zehner und noch drei Einer“ gedacht, sondern (bestenfalls) daran, dass dreiundvierzig nach zweiundvierzig kommt. Bei mehrstelligen Zahlen ist dieser „Ort der Zahl“ dann nicht mehr so einfach zu bestimmen: mit dem Zählen gibt’s oft schon Probleme (was kommt „vor 600?), weil die Systematik des Zahlensystems (siehe unten) nicht verstanden wurde. Mehrstellige Zahlen werden deshalb in der Regel als Ziffernfolge ohne Größenbezug gedacht: |
|
![]() |
„Absurde“ Ergebnisse werden mangels „Größengefühl“ nicht erkannt Da kann dann schon einmal bei einer Minusrechnung eine größere Zahl als die Ausgangszahl rauskommen – und dem Kind fällt nichts auf. Da können bei Textaufgaben vollkommen absurde (absurd für jemanden, der „Zahlensinn“ hat!) Zahlen rauskommen – dem Kind fällt nichts auf. Zahlen haben eben für dieses Kind nichts mit Größe und nachvollziehbaren Größenverhältnissen zu tun, sondern mit Prozeduren (zählen, richtig unter einander schreiben, „eins weiter gehen“) – aus. Anhaltende Schwierigkeiten beim Schreiben und Lesen mehrstelliger Zahlen Orientierungslosigkeit im Zahlenraum |
Einige beliebige Beispiele:
Auch einfache Zahlenverhältnisse werden nicht erkannt |
|
Defizite in den Grundrechenarten |
|
Langsamkeit und häufige Rechenfehler Zum anderen sind sie – aus dem selben Grund – in hohem Maße fehleranfällig, woran auch noch so häufiges Üben nichts ändert – jedenfalls nicht, solange die Lösungsstrategie „Zählen“ auch beim Üben beibehalten wird. Keine Einsicht in Rechenoperationen Bei „3 mal 4“ denken sie nicht an ein Vervielfachen, Misslungene Kopfrechen-Versuche (s.o.) zeigen das Fehlen jeglicher Einsicht in Rechengesetze, |
|
![]() |
Schriftliches Dividieren bleibt eine Qual Das Einschätzen als wesentliches Moment der Division durch zweistelligen Divisor erweist sich als oft unüberwindbare Hürde. Schätzfehler können nicht richtig bewertet werden. Das Dividieren artet zum hilflosen Herumprobieren aus und wird nicht selten auch zum psychischen Problem („Hassgegenstand“). |
Defizite im Sachrechnen |
|
|
Gar nicht heiteres Zahlenraten im Umgang Häufige Folge: rein willkürliches Hantieren mit den vorgefundenen Zahlen ohne inneren Zusammenhang mit dem Text, wobei offenkundig unsinnige Antworten nicht bemerkt werden (s.o.); oder aber der meist vergebliche Versuch, Schemata von Textaufgaben ohne jedes Verständnis für den Rechenweg auswendig zu lernen. Ahnungslosigkeit im Umgang mit Größen Ratlosigkeit beim Umrechnen von Größen Ab Einführung der Dezimalzahlen tritt das Problem verstärkt als offenkundig planloses „Kommaverschieben“ zutage. |
Anhaltendes Missverhältnis |
|
| Zusammenhänge zwischen Stoffgebieten werden generell nicht durchschaut. Stoffgebiete, welche längere Zeit nicht geübt wurden, sind „wie weggeblasen“, müssen also vollständig neu eingepaukt werden. Allgemein: Ein oft hoher Übungsaufwand zuhause steht in krassem Missverhältnis zu den schulischen Leistungen. |
|
Psychische Probleme |
|
![]() |
„Was muss ich da machen?“ Mathematik als Hass-Objekt, Auslöser von Verzweiflung, psychischen Engpässen Das gesamte Selbstbild gerät in Mitleidenschaft, der „Teufelskreis Lernstörung“ schlägt auch in anderen Fächern durch, das Familienleben leidet, nicht selten kommt es zu psychosomatischen Störungen. |
|
|
Alle Texte zu „Rechenschwächen“ in Hauptschule, Mittelschule und AHS |
1) Wie aus „rechenschwachen“ VolksschülerInnen „rechenschwache“ Jugendliche werden 2) Woran „Rechenschwächen“ |
| 1080 Wien * Wickenburggasse 14/9 * T. 01/526 48 46 |
| 8020 Graz * Kleegasse 3/BO 2 * T. 0316/766 344 |
| institut.wien@rechenschwaeche.at * Impressum |