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(Früh-)Erkennung von „Rechenschwächen“ |
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Fragen, die LehrerInnen zu Beginn
eines Schuljahres stellen sollten September 2007
Übersicht |
Einleitung |
Je früher eine „Rechenschwäche“ erkannt wird, umso früher können gezielte Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Je früher gezielte Gegenmaßnahmen ergriffen werden,
Weil das so ist, haben wir die folgende Übersicht für LehrerInnen (aber natürlich auch Eltern, HorterzieherInnen …) zusammengestellt. Wir beschreiben Fragen und Aufgabestellungen, die dabei helfen können, eine „Rechenschwäche“ auch als solche zu erkennen. Dabei beschränken wir uns hier bewusst auf die ersten Monate eines jeden Schuljahres (bis etwa Oktober/November). Diese sollten (nach Abwarten einer „Eingewöhnungszeit“ unmittelbar nach Schulbeginn) für eine (Zwischen-)Bilanz genutzt werden: Wo steht ein Kind in seiner mathematischen Entwicklung? Hat es die nötigen Voraussetzungen erworben, um die Anforderungen des neuen Schuljahres bewältigen zu können? In welchem Bereich muss gezielt gefördert werden, damit das Kind in diesem Schuljahr nicht in Bedrängnis gerät? |
Noch eine Anmerkung zum Titel |
Wirkliche Früh-Erkennung müsste spätestens Anfang der zweiten Schulstufe erfolgen. Andererseits ist es unserer Erfahrung nach nie zu spät, um mit gezielter Förderung zu beginnen; auch Kindern, die bereits in der dritten oder einer noch höheren Schulstufe sind, kann geholfen werden. Darum haben wir „Warnhinweise“ bis Anfang der vierten Schulstufe in die Übersicht aufgenommen. Freilich finden sich auch in höheren Schulstufen (vor allem in der Hauptschule, aber auch in der AHS) „rechenschwache“ Kinder und Jugendliche, und auch diese benötigen gezielte Förderung. Aber für die Erkennung genügen die Hinweise, die bereits für die Schulstufen eins bis vier gegeben werden: „Rechenschwächen“ haben, auch wenn sie erst in der Sekundarstufe bemerkt werden, ihre Wurzel immer im Stoff der Grundstufe. |
Erstes Schuljahr, Schuleingangsphase |
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Kein Kind kommt bereits mit einer „Rechenschwäche“ in die Schule, denn „Rechenschwäche“ ist ja nichts anderes als eine sehr unscharfe Bezeichnung für besondere Schwierigkeiten, die manche Kinder in der Auseinandersetzung mit den Inhalten der Schulmathematik entwickeln. Kinder kommen aber mit ganz unterschiedlichem Entwicklungsstand in die Schule; und die aktuelle Forschung sagt recht klar, welche Bereiche der vorschulischen Entwicklung für späteren Erfolg mit der Schulmathematik von besonderer Bedeutung sind. Es sind dies weniger die „allgemeine Intelligenz“ oder der große Bereich der sogenannten „basalen Teilleistungen“, sondern in erster Linie genau die Vorkenntnisse, die Kinder bereits vor ihrer Einschulung im Umgang mit Mengen und Zahlen gewonnen haben. Umgekehrt tragen jene Kinder ein erhöhtes Risiko, „rechenschwach zu werden“, die zu Schuleintritt ein (gegenüber den anderen Kindern) deutlich reduziertes „mengen- und zahlenbezogenes Vorwissen“ mitbringen. In diesem Sinne sollte in den ersten Schulmonaten auf die im Folgenden beschriebenen Bereiche besonders geachtet werden. Wenn Sie hier bei einem Kind Defizite feststellen, ist gezielte Förderung in ebendiesen Bereichen dringend angeraten. |
Anzahlverständnis beim Zählen? |
Fast alle Kinder beherrschen zu Schulbeginn bereits die Zahlwortreihe bis „zehn“, etwa 75% bis mindestens „zwanzig“. Aber das richtige Aufsagen der Zahlwortreihe garantiert leider nicht, dass ein Kind auch mit Anzahlverständnis zählt, d.h.: Dass ihm bewusst ist, dass es mit Hilfe dieser Zahlwortreihe die Anzahl einer Menge ermitteln kann; und dass diese Anzahl etwas Feststehendes ist (es sei denn, man gibt etwas dazu oder nimmt etwas weg). Unter anderem folgende Aufgaben sind geeignet, um das Anzahlverständnis zu überprüfen:
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„Fingerwissen“? |
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Nichtzählendes Erfassen von ungeordneten Anzahlen bis drei |
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Nichtzählendes Erfassen von Würfelbildern? |
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Verständnis für die Begriffe „mehr“, „weniger“, „gleich viel“? |
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Ansätze für Teile-Ganzes-Verständnis von Zahlen? |
Hinweise für die gezielte Förderung von Kindern, die mit Entwicklungsrückständen im Bereich des Zahl- und Mengenverständnisses in die Schule kommen, finden Sie unter Anregungen für Früherkennung/Frühförderung im Klassenverband. |
Zweites Schuljahr |
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In den ersten Schulmonaten sollte besonders geachtet werden auf alles, was für die ersten Monate des ersten Schuljahres beschrieben wurde! Was bereits Anfang des ersten Schuljahres Anlass für gezielte Förderung sein sollte (siehe oben), ist dies natürlich umso mehr, sollte es noch zu Beginn des zweiten Schuljahres auffallen. Beachten Sie also bitte im Zweifelsfall auch alle oben aufgelisteten Fragen und Aufgaben! |
| Darüber hinaus sollte zu Beginn des zweiten Schuljahres auf Folgendes geachtet werden. | |
Teile-Ganzes-Verständnis von Zahlen? |
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Operationsverständnis von Plus und Minus? |
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Weitgehend nicht-zählendes Rechnen im Zahlenraum bis 10? |
Stellen Sie dem Kind Plus- und Minusaufgaben im Zahlenraum 10 und achten Sie darauf, auf welche Weise das Kind zu seinen Lösungen gelangt. Gibt es spontan die richtige Antwort? Oder verwendet es die Finger? Werden die Finger zählend verwendet oder nur kurz angeschaut (Teil-Ganzes-Verwendung von Fingerdarstellungen, siehe oben)? Löst das Kind die Aufgaben, indem es im Kopf (das geht auch ohne Finger!) die Zahlwortreihe rauf- oder runter einzeln durchgeht? |
| Kinder, die noch zu Beginn des zweiten Schuljahres weitgehend oder gar ausschließlich auf zählendes Rechnen angewiesen sind, laufen massiv Gefahr, von den Anforderungen des zweiten Schuljahres überfordert zu werden. | |
| Hier sollten dringend gezielte Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Einige Hinweise dazu finden Sie unter Material für die Erarbeitung einer richtigen Zahlvorstellung im Zahlenraum 10, detaillierte Förderanregungen sind Inhalt meines Buches „Rechenschwäche vorbeugen – Erstes Schuljahr: Vom Zählen zum Rechnen.“ | |
Verständnis für nicht-zählende Rechenstrategien? |
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Drittes Schuljahr |
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In den ersten Schulmonaten sollte besonders geachtet werden auf alles, was für das erste und zweite Schuljahr beschrieben wurde! |
| Darüber hinaus sollte zu Beginn des dritten Schuljahres auf Folgendes geachtet werden. | |
Automatisation im Zahlenraum bis 10? |
Beobachten Sie, wie das Kind bei Aufgaben im Zahlenraum bis 10 zu seinen Lösungen kommt! Überwiegendes oder gar ausschließliches zählendes Rechnen im ZR bis 10 ist, wie erläutert, bereits Ende des ersten / zu Beginn des zweiten Schuljahres ein ernstes Warnsignal. Kinder, die einzelne Aufgaben im ZR 10 zählend lösen, sind aber zu Beginn des zweiten Schuljahres noch in der Mehrzahl. Auch diese Kinder sollten unbedingt gezielt gefördert werden (siehe oben). Wenn aber nun ein Kind auch noch zu Beginn des dritten Schuljahres den Zahlenraum bis 10 noch immer nicht vollständig automatisiert hat, sind Folgeprobleme bei weiteren Schritten im Mathematikunterricht fast unausweichlich. Für gezielte Gegenmaßnahmen ist es freilich nie zu spät! |
Nicht-zählende Strategien für das Über- und Unterschreiten von Zehnern? |
Beobachten Sie, wie das Kind Aufgaben mit Zehnerüber- bzw. -unterschreitung löst! Kommen dabei zählende Verfahren (mit oder ohne Hilfe der Finger) zur Anwendung? Spätestens im Verlaufe des zweiten Schuljahres sollten Kinder lernen, solche Aufgaben sicher und rasch durch geläufiges Anwenden nicht-zählender Strategien zu lösen; z.B. die Aufgabe 7 + 8 dadurch, dass sie 7 + 3 + 5 rechnen; oder sie wissen 7 + 7 schon auswendig und rechnen bei 7 + 8 „einfach noch 1 dazu“. Kinder, die solche Aufgaben noch zu Beginn des dritten Schuljahres nur zählend lösen können, laufen Gefahr, bei den immer umfangreicher werdenden Rechenaufgaben des dritten Schuljahres unterzugehen (viele dieser Kinder sind wohl leider schon beim Rechnen mit zwei zweistelligen Zahlen Ende des zweiten Schuljahres untergegangen; wenn es nicht schon damals erfolgt ist, sollte wenigstens jetzt gezielte Förderung einsetzen). |
Bündelungsprinzip und Stellenwertprinzip verstanden? |
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Operationsverständnis für Multiplizieren |
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Erkennen von Beziehungen zwischen |
Die Aufgaben des kleinen Einmaleins bilden ein „Netz von Querverbindungen“: 9 x 4 ist um 4 weniger als 10 x 4; 6 x 8 ist um 8 mehr als 5 x 8. Kinder sollten diese Querverbindungen erkennen – auch dann, wenn sie die Malaufgaben bereits „automatisiert“ haben, also das Ergebnis „einfach so“, „aus dem Gedächtnis“ nennen können. Das Verständnis für Querverbindungen lässt sich einfach überprüfen:
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Anhaltendes Nicht-Merken |
Den Aufgaben des kleinen Einmaleins wird in der Regel im zweiten Schuljahr viel Erarbeitungs- und Übungszeit gewidmet. Ende des zweiten/Anfang des dritten Schuljahres sollten sie zumindest weitgehend automatisiert sein, weil andernfalls Schwierigkeiten mit dem Stoff der dritten Schulstufe kaum zu vermeiden sind. Wenn trotz angemessener Übung noch Anfang des dritten Schuljahres
dann ist es in der Regel nicht Ziel führend, die Lösung des Problems einfach in „Noch mehr Übung!“ zu suchen. In vielen Fällen wird bei diesen Kindern eine Überprüfung des Operationsverständnisses wie auch des Verständnisses für Querverbindungen innerhalb des Einmaleins (siehe oben) Defizite in diesen grundlegenden Bereichen ergeben. Oft treten Schwierigkeiten mit Zehnern und Einern (siehe oben) und Schwierigkeiten beim Kopfrechnen im Bereich Plus/Minus hinzu, die ein Automatisieren der Malaufgaben erschweren bis verunmöglichen. Gezielte Förderung sollte dann in diesen grundlegenden Bereichen ansetzen. Mehr zur Förderung im Bereich des kleinen Einmaleins finden Sie unter Einmaleins-Störungen: Einige Anregungen für Vorbeugung und Abhilfe. |
Viertes Schuljahr |
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In den ersten Schulmonaten sollte besonders geachtet werden auf alles, was für die ersten drei Schuljahre beschrieben wurde! |
| Darüber hinaus sollte zu Beginn des vierten Schuljahres auf Folgendes geachtet werden. | |
Sicherheit im Umgang mit dreistelligen Zahlen? |
Eine wesentliche Grundlage für das Bewältigen der vierten Schulstufe ist Einsicht in unser Stellenwertsystem. Defizite in diesem Bereich fallen oft erst im Laufe des dritten / zu Beginn des vierten Schuljahres auf, weil manche Kinder sich im zweistelligen Bereich der zweiten Schulstufe noch recht gut mit (in diesem Bereich noch überschaubaren) „Regeln“ und „Tricks“ zu helfen wissen; bei der Erweiterung des Zahlenraums wird das zunehmend schwieriger. Freilich lassen sich viele Aufgaben mit dreistelligen Zahlen (etwa die im Laufe der dritten Schulstufe erarbeiteten schriftlichen Rechenverfahren) auch ohne tieferes Verständnis des Stellenwertsystems erfüllen; mit gezielten Fragestellungen lässt sich aber unschwer ermitteln, ob ein Kind Grundlegendes verstanden hat oder nicht:
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Nichtzählendes Rechnen? |
Die schriftlichen Rechenverfahren sind Stoff des dritten Schuljahres, und die meisten Kinder können zu Beginn des vierten Schuljahres (zumindest nach einer „Auffrischung“ in den ersten Schulwochen) schriftlich rechnen (zumindest addieren und subtrahieren). Hinter dieser vordergründigen „Rechenfertigkeit“ verbergen sich aber bei nicht wenigen Kindern massive Defizite noch im Bereich der Grundaufgaben im Zahlenraum bis 20: Kinder können ja durchaus eine schriftliche Addition auch im mehrstelligen Bereich ausführen, indem sie Stelle für Stelle zählend rechnen, also auch dann, wenn sie z.B. nach drei Schuljahren immer noch bei 3 + 4 oder 6 + 7 (ob mit oder ohne Fingerhilfe) die Zahlwortreihe einzeln hochgehen müssen. Für das weitere Fortkommen der Kinder wäre es aber von größter Wichtigkeit, solche Defizite nicht weiter zu übersehen, sondern gezielte Fördermaßnahmen einzuleiten. Um zählendes Rechnen zu erkennen, ist nichts weiter erforderlich (das aber schon!) als die genaue Beobachtung der Kinder beim Lösen von Rechenaufgaben; selbst wenn die Finger nicht zum Einsatz kommen, ist das zählende Vorgehen in der Regel äußerlich bemerkbar (starrer Blick, konzentriertes Mitnicken …). |
Grundlagen für das Lösen von Sachaufgaben? |
Sachaufgaben (leider oft nur in der Form von „Textaufgaben“) sind ein wesentlicher Stoffbereich des vierten Schuljahres. Welche Chancen ein Kind hat, diesen Bereich (und damit die im vierten Schuljahr anstehenden Schularbeiten) erfolgreich zu bewältigen, hängt entscheidend davon ab, ob es über ein gefestigtes Operationsverständnis der vier Grundrechenarten verfügt. Wie Sie das überprüfen können, wurde bereits für die zweite Schulstufe (Plus und Minus) bzw. für die dritte Schulstufe (Multiplizieren und Dividieren) beschrieben. Zusätzlich sollte ein Kind zu Beginn des vierten Schuljahres in diesem Bereich folgende Kompetenzen erworben haben:
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Schlussbemerkung |
Obenstehende Auflistung ist bewusst alles andere als vollständig. Ziel war es, eine (hoffentlich noch) übersichtliche Zusammenstellung der allerwichtigsten Bereiche zu geben, die in den ersten zwei, drei Monaten eines Schuljahres jeweils überprüft werden sollten. Eine solche Überprüfung kann wesentliche Hinweise liefern; in weiterer Folge sollte dann aber eine umfassendeförderdiagnostische Abklärung erfolgen. Erst eine solche Abklärung, die alle relevanten Bereiche erfasst, bietet dann eine ausreichende Grundlage für die Planung und Durchführung gezielter Fördermaßnahmen. Weitere Hinweise zur Förderdiagnostik finden Sie unter förderdiagnostische Gespräche. |
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